Bericht aus dem Rarbacher Geschichtsbuch

Geschichte der St. Lambertus Schützenbruderschaft Kirchrarbach e.V.

Im Jahre 1904 wurde der Heimatschutzverein Kirchrarbach gegründet, der sich im Jahre 1961 zur St. Lambertus Schützenbruderschaft Kirchrarbach e.V. umbenennt. Ein Gründungsprotokoll liegt leider nicht vor und in der Kirchenchronik ist ebenfalls kein Vermerk über die Gründung zu finden.

Was die Gründer bewegt haben mag, können wir nur vermuten. Um die Zeit der Jahrhundertwende kam es in vielen kleinen Orten zu der Gründung von Schützenvereinen, -gesellschaften und -bruderschaften. Diese knüpften aus ihrer Motivation heraus an alte Schutz- und Trutzvereine an, die sich in den Wirren des 30-jährigen Krieges, aber auch schon früher zum Schutz ihrer Wohnsiedlungen gebildet hatten. Die alten Heimatschutzvereine hatten mehr oder weniger den Charakter von Bürgerwehren bzw. Milizen. Bei den späteren Gründungen kann man eigentlich nur symbolischen Bezug annehmen. Sie machten es sich aber zur Aufgabe, altes Brauchtum zu pflegen und zu bewahren, wie aus dem Leitspruch des Sauerländer Schützenbundes „Glaube, Sitte, Heimat“ hervorgeht.

Dieser Gedanke mag unbewusst unsere Gründer bewegt haben, die 1905 ihre Mitglieder aus 10 Ortschaften zur ersten außerordentlichen Generalversammlung zusammen riefen, um ihren ersten Vorstand zu wählen. Im gleichen Jahr wurde auch das erste Schützenfest in einem Lakenzelt auf Schulten Kamp gefeiert. Auch in den folgenden Jahren wurde das Schützenfest immer in einem Mietzelt am gleichen Ort gefeiert. 1909 entschlossen sich die Mitglieder zum Bau eines Schützenhauses. Unter großen Opfern wurde innerhalb einen Jahres das Schützenzelt, wie es fernerhin genannt wurde, gebaut. Die Liste über die Hand- und Spanndienste ist heute im Protokollbuch festgehalten.

Aus dem Jahre 1910 stammt auch die erste Inventar-Liste des Vereins. Sie weist unter anderem ein Schützenzelt mit Fachwerk, eine Lateiner, zwei Aborte, eine Vogelstange mit Bock- und Zielpfahl, 1Schützenfahne, 80 Fluggenstöcke, 400 Biergläser, 6 Petroleumlampen usw. aus. Über den Bau selbst ist kaum etwas berichtet, ebenso wenig über die Kosten.

Während der Zeit des Kirchenneubaues in den Jahren 1911 und 1912 wurde der Gottesdienst im neuen Schützenzelt gefeiert. Hierfür musste die Kirchengemeinde eine Entschädigung von 100,- Mark zahlen. In den Jahren von 1914 bis 1918, in der Zeit des ersten Weltkrieges, fand kein Schützenfest mehr statt.

Nach Kriegsschluss wurde im Jahre 1919 sofort wieder ein Schützenfest gefeiert. Zu diesem Zeitpunkt zählte der Verein 110 Mitglieder. In den darauf folgenden Jahren standen die Schützenfeste unter dem Druck der Inflation. Da die Kosten unkalkulierbar waren oder auch, weil man einfach keinen Mut dazu aufbrachte, fand 1923 kein Schützenfest statt. Der damalige Schützenkönig Theodor Gödeke musste 1924 für seinen Hofstaat 6 Millionen Mark Papiergeld zahlen. Etwas später wurden bei einem Gelage von einigen jungen Männern 15 Milliarden Mark vertrunken. Diese unsichere Situation geht auch aus einem Vergleich der Festeinnahmen hervor. In vier nachweisbaren Jahren vor dem Kriege betrug der Reingewinn 336,- Mark, also pro Jahr 83,75 Mark, 1921 wurden 4.851 Mark Gewinn ausgewiesen (über 1923 liegen keine Aufzeichnungen vor).

Im Jahre 1924 gründete der Ort Oberhenneborn seinen eigenen Schützenverein. Dadurch wurde zunächst der Schützenverein Kirchrarbach geschwächt, da eine Reihe Mitglieder aus Oberhenneborn kamen. Trotz der schweren wirtschaftlichen Lage wurde 1927 der Fußboden in der Halle erneuert bzw. erweitert (der Fußboden wurde zu damaliger Zeit, wie im Protokollbuch vermerkt, Beschuss genannt). Im gleichen Jahre beschloss der Schützenverein die Aufstellung eines Kriegerehrenmales.

Da man bis zu diesem Zeitpunkt Hüte mit einem farbigen Band als äußeres Zeichen der Zugehörigkeit zum Schützenverein trug, beschloss man 1928, dass fortan jedes Schützenmitglied eine Schützenmütze zu tragen habe.

Im Jahre 1929 feierte der Verein sein 25-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass überreichten 14 noch lebende Könige dem Verein eine Fahnenschleife mit der Aufschrift des Gründungsjahres 1904. Zu diesem Zeitpunkt zählte der Verein schon wieder 145 Mitglieder.

In den vorhergehenden Jahren war überlegt worden, ob der Schützenverein dem Sauerländer Schützenbund beitreten solle oder nicht. 1932 entschloss man sich, dem Schützenbund des Kreises Olpe beizutreten. Über die Beweggründe zu diesem Schritt gibt es keinerlei Aufzeichnungen.

In den ersten 22 Jahren nach der Gründung protokollierte der langjährige Schriftführer des Vereins, Herr Wilhelm Gerke, Kirchrarbach, fast immer vollzähliges Erscheinen der Mitglieder bei den jährlichen Generalversammlungen. Hieraus geht die Verbundenheit der Bevölkerung bzw. der Mitglieder mit ihrem Verein hervor.

In den späteren Jahren nahm verständlicherweise die Begeisterung ab. In den 30er Jahren wurde die Durchführung der Schützenfeste noch zusätzlich durch Verordnungen des Dritten Reiches erschwert. So sollte zum Beispiel bei Schützenfesten eine Fahne des Reichsbundes für Leibesübungen mitgetragen werden.

1939, kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges, fand dann das vorerst letzte Schützenfest statt. Während der sechs Kriegsjahre ruhte der Verein. 1945 wurde er durch das Gesetz der Militärregierung aufgelöst. Über das Vermögen des Vereins, einschließlich der Schützenhalle, wurde ein Treuhänder bestellt.

Bei der Neugründung 1948 musste zunächst der Verein von der Militärregierung unserer Besatzungsmächte zugelassen und das Vermögen aus der Treuhandschaft entlassen werden.

Die Wiederbelebung des Vereins wurde von dem allgemeinen Wunsch der Bevölkerung getragen, nach neun Jahren der Entsagung wieder ein echtes Volksfest zu feiern, an dem sich Jung und Alt in gleicher Weise beteiligten. Gerade in dieser Zeit wurde besonders deutlich, dass den Schützenvereinen auf dem Lande eine Aufgabe als Bindeglied zwischen Jung und Alt und ebenfalls zwischen den einzelnen Orten zukommt. In den Nachkriegsjahren ohne Schützenverein wurden zwar viele kleine Feste gefeiert, da die Menschen das Gefühl hatten, etwas nachholen zu müssen; aber die alte Generation fühlte sich ausgeschlossen. Die zwangsläufige Folge wäre nicht ein Miteinander, sondern ein Gegeneinander geworden.

Im Jahre 1948 wurde sofort wieder über die notwendige Hallenrenovierung diskutiert. Die Dinge wurden vorerst vertagt, da im gleich Jahre die Währungsreform durchgeführtrt wurde. 1954 war es dann soweit, dass die Halle erweitert werden konnte. Unter großem Einsatz vieler Mitglieder erhielt die Halle einen seitlichen Trakt. Diese unbedingt notwendige Erweiterung hinterließ nur einen kleinen Rest Schulden. Im gleichen Jahr wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung das 50-jährige Jubiläum des Schützenvereins gefeiert.

In den folgenden Jahren diente die Halle nicht nur dem Schützenverein, sondern auch den anderen Vereinen wie Sportverein und Gesangverein. Der Sportverein verlegte bei schlechtem Wetter sein Training in die Halle und der Gesangverein belebte das kulturelle Leben der Gemeinde durch Theateraufführungen in diesen Räumen.

1960 entschlossen sich die Mitglieder, bei den Festzügen weiße Hosen zu tragen. Dadurch sollte das äußere Erscheinungsbild des Festzuges gesteigert werden.

1961 wurde der Schützenverein in St. Lambertus Schützenbruderschaft Kirchrarbach e.V. umbenannt und wurde Mitglied im Kreisschützenbund Meschede. Wie bei fast allen Bruderschaften wählten wir unseren langjährigen Pfarrer, Herrn Josef Osthoff, als unseren Präses. Diese Aufgabe übernahm er sehr freudig, und ließ es sich fortan nicht nehmen, bei allen Versammlungen und Schützenfesten dabei zu sein.

Den Mitgliedern wurde indes immer deutlicher, dass der Speisesaal und die Toiletten den Anforderungen nicht mehr genügten. Wieder wurden die Mitglieder gefordert und im Jahre 1962 ein Speisesaal mit Küche in das Erdgeschoss gebaut. Außerdem wurden die Toiletten ausgebaut. Auch diese Bauperiode hinterließ nur geringfügige Schulden.

Es führt zu weit, jedes Jahr im Leben der Bruderschaft aufzuführen, da sich ja auch nicht in jedem Jahr Nennenswertes ereignen kann, ja noch nicht einmal ereignen darf. Die Mitglieder müssen auch einmal zur Ruhe kommen.

Nach dem 2. Weltkrieg erlebte das total zerstörte Deutschland seinen wirtschaftlichen Wiederaufstieg, wie er in der Entwicklung aller Staaten der Erde bisher nicht zu verzeichnen ist. Im Zuge dieses Wirtschaftswunders wurden die Menschen immer wohlhabender, ihre Wohnhäuser immer schöner; auch vor kleinen Orten machte die Entwicklung nicht Halt. So wurde im Jahr 1961 vom Grafen Lennart Bernadotte die Aktion „Unser Dorf soll schöner werden“ ins Leben gerufen. Viele Dörfer in der Bundesrepublik veränderten durch diesen Wettbewerb vollständig ihr Gesicht. Bei den Bewohnern der Ortschaften, die Mitglieder unserer Bruderschaft sind, kam im Unterbewusstsein das Gefühl auf, dass unsere alte Halle nicht mehr so recht in das Ortsbild von Kirchrarbach passte.

Zudem machte sich in zunehmendem Maße der Platzbedarf bei der alten Halle bemerkbar, da die Zahl der Autobesitzer immer größer wurde. Ebenfalls war auf dem Hallenvorgelände für die Schausteller kein Platz. Durch diese Entwicklung beschleunigt, wurde 1970 auf der Generalversammlung zum ersten Mal über den Neubau einer Schützenhalle gesprochen.

In den darauf folgenden Jahren wurde das 3.200 qm große Baugrundstück gekauft und die ersten Spenden gesammelt. Der neue Präses der Bruderschaft, Pfarrer Karl Klöcker, setzte sich bei jeder Generalversammlung außergewöhnlich für den Hallenneubau ein. Er beeinflusste maßgeblich das Klima und machte den Zauderern Mut. Um die finanziellen Voraussetzungen für den Neubau zu schaffen, wurde zunächst ein Jahresbeitrag für das Mitglied von 40,- DM erhoben und später eine Umlage von 800,- DM pro Mitglied beschossen. Da jedoch aufgrund dieser hohen Belastungen eine Reihe von Mitgliedern aus der Bruderschaft austraten, wurde 1975 der Versuch einer freiwilligen Spendenaktion anstelle der Umlage unternommen. Hierbei zeigte sich deutlich, dass Menschen auf freiwilliger Basis wesentlich eher bereit sind, Leistungen zu vollbringen. So kamen bei dieser Aktion 1000,- DM pro zahlendes Mitglied heraus. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Verein 112 zahlende Mitglieder, insgesamt etwa 170. Zudem spendeten der Sportverein 3.000,- DM und der SGV 4.000,- DM. Der Pfarrgemeinderat veranstaltete zu Gunsten des Hallenbaues zwei Pfarrfeste mit einer Erlössumme von 30.000,- DM. Aufgrund dieser Bereitschaft konnte sofort mit dem Hallenneubau begonnen werden. Die Mitglieder zeigten eine Einsatzbereitschaft, wie sie von niemandem erwartet worden wäre. Außer den Spenden waren fast alle Mitglieder zu körperlicher Mithilfe bereit. Viele erbrachten über 500 unentgeltliche Arbeitsstunden, einige sogar über 1000.

Diese sichtbare Bereitschaft führte dazu, dass etwa 60 neue Mitglieder in den Verein aufgenommen werden konnten. Vor allen Dingen Jugendliche, die sich wegen der hohen Anforderungen zunächst abwartend verhalten hatte, aber auch Auswärtige traten der Bruderschaft bei.

Die Mitgliederzahl wuchs auf 230 an. Das Stadtparlament, das der Finanzierung des Projektes skeptisch gegenüber stand, zeigte sich aufgrund diese Einsatzwillens dann doch bereit, 60.000,- DM als Zuschuss zu geben. Nach zwei schweren, aber auch schönen Jahren konnte die Halle 1977 eingeweiht werden.

Nach Aussage des Sauerländer Schützenbundes ist von den Mitgliedern der St. Lambertus-Schützenbruderschaft eine Leistung erbracht worden, die ihresgleichen noch suchen muss. Ein Gebäude, das, gemessen am Bauvolumen, etwa 800.000,- DM bis 900.000,- DM hätte kosten müssen, wurde für 316.000,- DM schuldenfrei erstellt. Obwohl diese Halle nicht als Mehrzweckhalle ausgewiesen ist, soll sie in Zukunft nicht nur unseren Mitgliedern, sondern auch allen anderen Vereinen innerhalb unserer Gemeinschaft dienen.

Natürlich kann solch ein Neubau nur errichtet werden, wenn alle Mitglieder bereit sind Arbeitsstunden kostenlos zu leisten und Geld zu spenden. An dieser Stelle muss aber ein großes Lob an den damaligen Vorstand mit dem Vorsitzenden Josef Jacobs aus Niederhenneborn ausgesprochen werden. Ohne die berufliche Erfahrung von Herrn Jacobs wäre die Bauvorhaben nicht möglich gewesen, bzw. wären die Kosten sicherlich um einiges höher gewesen.

Während des Hallenneubaues mussten nachträglich 400 qm Baugelände dazu erworben werden. 1978 wurde bei der Halle eine neue Vogelstange, besser gesagt, eine Schießanlage, errichtet. Im gleichen Jahre wurde eine neue Vereinsfahne angeschafft und die 73 Jahre alte Fahne restauriert.

Beim Vogelschießen 1979 kam es zu einem ernsten Zwischenfall. Beim Aufsetzen der Geckfigur riss das Zugseil und der Kugelfang stürzte vom Mast herab und kam erst kurz vor den Zuschauern zum Stillstand. Das war Grund genug um eine neue Vogelstange zu planen. Das Grundstück wurde durch Zukauf um ca. 2.000 qm erweitert. Der Kugelfang wurde nun direkt auf die Böschung aufgesetzt. Somit ist ein ähnlicher Unfall in Zukunft ausgeschlossen.

Trotz neuer Halle und neuer Vogelstange war die Bauaktivität im Verein recht hoch. 1980 musste das Hallendach bereits saniert werden. Ein Abstellraum (heute Vorstandszimmer) wurde 1986 an die Halle angebaut. 1995 wird die Vogelstange in der Sunger abermals verändert. Der Platz wird durch Planierarbeiten wesentlich vergrößert und der Kugelfang an den heutigen Platz versetzt. Nach dem Vorbild der Vogelstange in der Sunger wird 1998 auch die Vogelstange bei der Rarbachhalle ersetzt. Im Jahr 2000 wird ein separater Abstellraum hinter der Halle erstellt. Nach Vorschlägen wir Alfons Gierse wird 2006 der Eingangsbereich der Halle neu gestaltet. Für Menschen mit Handicap und auch für die Königinnen und Hofstaatsdamen wird 2008 eine neue Großraumtoilette gebaut. Die Damen- und Herrentoiletten werden 2009 neu gestaltet.

Um die Jahrhundertwende haben sich die Schützenfeste in unserer Region stark verändert. Sehr viele Vereine gehen dazu über den Ablauf des Schützenfestmontag mit dem Vogelschießen zu verändern. Als Grund werden in vielen Fällen die hohen Kosten für den Musikverein, aber auch die Kosten der Kleider für die Königinnen genannt. Auch in Kichrarbach wurde diese Diskussion lebhaft geführt. Als es im Jahr 2010 zur Abstimmung kam, zeigt sich aber doch eine ganz klare Mehrheit für den jetzigen Festablauf. Mit 80% Zustimmung bleibt zunächst die jetzige Regelung.

Der Kreisverband Meschede spricht immer wieder die Gründung einer Jungschützen Abteilung an. Und hier eben auch die Ermittlung des Jungschützenkönigs. Auch in dieser Angelegenheit hat Kirchrarbach eine andere Meinung. Kirchrarbach ist davon überzeugt, das diese Abteilung von den „großen“ Vereinen ins Lebens gerufen werden musste, da der Nachwuchs fehlte. In Kirchrarbach ist es allerdings so, dass nahezu 100% der 16-jährigen männlichen Jugendlichen Mitglied im Schützenverein werden. Außerdem wird mit einem zusätzlichen Fest, der Veranstaltungskalender zusätzlich verdichtet.

Die Verein hat aktuell 327 Mitglieder, davon sind etwa 100 Schützenbrüder beitragsfrei.

Dieser Überblick über die Geschichte der St. Lambertus Schützenbruderschaft Kirchrarbach e. V. erhebt nicht den Anspruch auf unbedingte genaue Wiedergabe, da sich vergangene Wirklichkeit nur sehr schwer weitererzählen lässt.

Sie soll den Vorfahren zum Dank, den Alten zur Erinnerung und der Jugend als Verpflichtung gereichen.